AN(GE)DACHT
zum Sonntag Okuli

NIEMAND, DER SEINE HAND AN DEN PFLUG LEGT...

„Niemand, der die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, taugt für das Reich Gottes.“ Dieser Ausspruch Jesu gehört wohl zu den markantesten Bildworten des Neuen Testamentes. In jeder Hinsicht eine provozierende und paradoxe Aussage Jesu. Kein Bauer, der seinen Acker bestellt, käme auf die Idee, seinen Kopf zu wenden, um die bereits gepflügte Furche zu besehen. Im Gegenteil: Er muss sich voll auf die Ackerfläche vor ihm konzentrieren, die Tiere richtig lenken, den Plug in der Spur halten. Sich ständig umdrehen, das macht doch kein vernünftiger Landmann, würden wir urteilen.

Und Jesus würde uns sogar zustimmen: Richtig! Aber was ist mit euch und eurem Weg durchs Leben?  So würde er uns fragen. Prüft euch einmal, wie oft ihr zurückblickt. Schwärmerisch oder wehleidig oder sogar rechthaberisch. Wer nur die vermeintlich gute alte Zeit, die meist auch immer eine schlechte neue Zeit war, im Blick hat, der wird kaum in der Lage sein, den Acker seines Lebens richtig zu bestellen.

Träumen von der Vergangenheit. Wir kennen das nur allzu gut. Damals, als wir noch jung waren, schwärmen wir. Oder: Damals gab es noch Ordnung und Anstand und Disziplin. Heute läuft scheinbar alles aus dem Ruder. Mit Kopfschütteln schauen wir immer wieder auf das Verhalten von Mitmenschen, die sich respektlos und undiszipliniert verhalten. Wo soll das alles hinführen?

Dazu kommt die bedrängende Erkenntnis, dass das Gefüge unserer Menschenwelt seit einiger Zeit aus dem Ruder zu laufen scheint. Nach der Wiedervereinigung und dem Ende des Kalten Krieges, zu Beginn der 1990 Jahre, gab es die große Hoffnung, dass nicht mehr Ideologien und Feindschaften regieren, sondern Vernunft und Verständigung. Die letzten Jahre lehren uns das Gegenteil und die berechtigte Angst wächst, dass ein Krieg auf uns zukommt.

Ich sehe persönlich nur einen Weg in all den Ängsten und Verunsicherungen: Sich Jesus anzuschließen, ohne wenn und aber. Sicher, seine Botschaft verhindert keine globalen Konflikte, kann nicht als Diplomatie in Krisenzeiten dienen. Aber sie kann unserem Leben Richtung und Halt geben.

„Niemand, der die Hand an den Pflug legt und zurückschaut, taugt für das Reich Gottes.“

Wenn wir an Jahren zunehmen, dann kommen die Gedanken: Was habe ich alles in meinem Leben falsch gemacht? Was habe ich versäumt? Warum ist mir dieses oder jenes nicht gelungen? Wo bin ich bewusst oder unbewusst schuldig geworden? Jesus möchte, dass uns unsere Vergangenheit nicht blockiert und fesselt. Alte Wunden und Versäumnisse sollen uns nichts mehr anhaben. Die vermeintlichen Sicherheiten und Besitztümer der Vergangenheit sollen uns nicht festhalten und zu einem sehnsüchtigen Rückwärtsblick führen. Die schwedische Kinderbuchautorin Selma Lagerlöf hat es einmal mit diesen Worten ausgedrückt: „Man sollte nicht ängstlich fragen: Was wird und was kann noch kommen? Sondern sagen: Ich bin gespannt, was Gott noch mit mir vorhat.“

Gedanken zum Sonntag Okuli von Pfarrer i.R. Michael Worbs

ONLINE-ANDACHT
 

Andacht: Superintendentin Ute Mertens
Musik: Thorsten Fabrizi mit Bach, Allegro aus dem Konzert a-moll nach A. Vivaldi