AN(GE)DACHT
zum 4. Sonntag nach Trinitatis

KOFFERPACKEN

Die Packliste liegt auf dem Bett, ich stehe vor dem Kleiderschrank. Greife noch mal ins Fach mit den T-Shirts, vielleicht nehme ich lieber eins mehr mit, man weiß ja nie. Der Kleiderberg hat schon eine schwindelerregende Höhe erreicht, und noch fehlen die Dinge, die in der Liste unter „Kram“ stehen. Vor jedem Urlaub ist es das gleiche: Ich notiere mir ordentlich, was mitzunehmen ist, und entscheide beim Packen doch alles noch mal neu. Und am Ende ist meine Tasche gestopft voll.

Wie war das noch vor 50 Jahren, als der Platz im Trabi begrenzt war? Das schwere Stoffzelt musste mit eingeplant werden, wenn nicht gerade ein Klappfix zur Verfügung stand. Neben dem großen Picknickkorb für die Pause stand noch ein Koffer voller Ersatzteile, falls der Trabi zwischendrin stehenbleibt. Viel Zeug, aber kaum Platz dafür.

Als Jesus vor 2‘000 Jahren seine Jünger auf Reisen schickt, sind sie minimalistisch unterwegs. Nichts sollen sie mit auf den Weg nehmen: keinen Wanderstock, kein Brot, kein Geld, kein Ersatz-Hemd und auch keine Tasche, in die noch anderes verstaut werden könnte, was während der Reise gefunden wird. Für mich unvorstellbar, so vollkommen unvorbereitet loszuziehen!

Allzu wörtlich sollte das aber wohl auch nicht genommen werden. Vielmehr weist es mich darauf hin, wie wichtig mein Gepäck ist, das nicht sichtbar ist, nicht einfach in den Koffer gepackt werden kann. Das ich aber im Kopf und im Herzen mit mir trage. Der aufmerksame Blick für das Schöne, das mir auf der Reise begegnen wird. Die offenen Ohren für mein Gegenüber. Die guten Worte, die ich weitergeben kann. Der Mut, neue Wege zu gehen. Die Freude daran, meinen Alltag für eine Weile zu verlassen.

Vielleicht vergesse ich das manchmal über meinen Packlisten und Kleiderbergen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie all das mit im Gepäck haben, wenn Sie in diesem Sommer unterwegs sind! (Das Wechsel-T-Shirt nehme ich übrigens trotzdem mit.)

Gedanken zum 4. Sonntag nach Trinitatis von Pfarrerin i. E. Henrike Kant, Pfarrbereich Biederitz

LESEPREDIGT ZUM 3. SONNTAG NACH TRINITATIS

ONLINE-ANDACHT
 

Andacht: Superintendentin Ute Mertens
Musik: Thorsten Fabrizi an der Sperling Orgel der Schlosskirche Dornburg
Wochenlied: EG 495