Eine Tochter beklagte sich bei ihrer Mutter: „Das Leben ist so schwer sei. Ich weiß nicht, wie ich es meistern soll.“ Die Mutter überlegte. Sie ging in die Küche, nahm drei Kochtöpfe, füllte in alle etwas Wasser und gab in den einen Karotten, den nächsten Eier und in den dritten gemahlene Kaffeebohnen. Dann brachte sie das Wasser in allen Töpfen zum Kochen. Einige Minuten später schüttete sie die Karotten in ein Sieb, legte die Eier auf einen Teller, goss den Kaffee in eine Tasse und fragte ihre Tochter: „Was siehst du nun?“ „Ich sehe Karotten, Eier und Kaffee“, antwortete die Tochter irritiert. „Nimm die Karotten in deine eine Hand, schäle die Eier und nimm sie in deine andere Hand und sage mir, was du fühlst“, bat die Mutter. „Die Karotten sind weich und die Eier sind hart geworden“, entgegnete die Tochter. Jetzt bat die Mutter die Tochter, den Kaffee zu probieren, der sehr aromatisch war. „Was soll das?“, ärgerte sich die Tochter.
„Die Karotten, die Eier und der Kaffee waren alle dem heißen Wasser ausgesetzt“, antwortete die Mutter. „Jedoch haben alle unterschiedlich darauf reagiert. Die Karotten waren hart und wurden durch das Kochen weich. Die Eier waren zerbrechlich und innen weich, und sie wurden innen hart. Die gemahlenen Kaffeebohnen haben das Wasser in Kaffee verwandelt. Die Frage lautet, mein Kind: Wie reagierst du, wenn Probleme auf dich zukommen? Wie eine Karotte, die stark zu sein scheint – wenn sie aber mit Problemen in Berührung kommt, weich wird und ihre Stärke verliert? Reagierst du wie ein Ei – hast du ein weiches Herz, das versteinert und hart wird, wenn es auf Probleme stößt? Oder gleichst du mehr einer Kaffeebohne, die das heiße Wasser in Kaffee verwandelt – also ein Problem als Chance ansieht und etwas Neues daraus entstehen lässt?“
Ja, wie reagieren wir? Sie? Ich? – Vermutlich wollen wir alle wie der Kaffee sein, wollen aus allem das Beste machen. Die Frage ist nur: Für wen oder was das Beste? Und auf welcher Basis entscheiden wir?
In der Apostelgeschichte 5,29 antwortet Petrus auf den Vorwurf des Hohen Rats, dass er ihnen untersagt hatte, im Namen Jesu Christi zu predigen: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Und bei Matthäus 22, 37ff antwortet Jesus auf die Frage nach dem höchsten Gebot: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt. Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. …“
Wir brauchen das Weiche, Empathische, um den anderen und uns in der jeweiligen Situation zu sehen. Wir brauchen die Stärke, um unsere Meinung zu vertreten. Doch als Wichtigstes brauchen wir die Umwandlung. Dazu sind Herz, Mut, Empathie, Durchhaltevermögen, Ideen, Glaube und ein gutes Miteinander nötig. Dann werden wir Wasser und Krümel in einen duftenden, aromatischen, wohlschmeckenden Kaffee verwandeln. Können Sie ihn schon riechen?
Gedanken zum Sonntag Rogate nach einer Geschichte von Mirjam Miethe und Daylin Santos Díaz von Karin Hausmann, Gemeindepädagogin in der Region Fläming-Fiener