Corona aktuell

KEIN SCHNEE VON GESTERN



Vor einer Woche waren sie noch unter einer dicken Schneedecke eingeschlossen. Und nun, innerhalb weniger Tage sind sie gelb und fröhlich blühend zum Vorschein gekommen: die Winterlinge. Letztes Wochenende noch haben Schneemassen uns daran erinnert, dass wir Teil der Natur und nicht ihre Beherrscher sind. Und plötzlich haben sich die Schneeberge in Luft, bzw. in Wasser aufgelöst.

Auf einmal sind sie nur noch Schnee von gestern. Wie so vieles, was nur für begrenzte Zeit eine Daseinsberechtigung hat. Die Sehnsucht nach dem Tag ist groß, an dem auch die Corona-Pandemie „Schnee von gestern“ ist und nicht mehr unseren Alltag bestimmt.
Nicht immer verschwindet der Schnee von gestern so schnell und von allein, wie die weiße Pracht in der vergangenen Woche. Oft müssen wir Menschen selbst zur Schaufel greifen und entsorgen, was weg soll, was alt und störend uns im Wege liegt. Und weil heutzutage immer alles möglichst schnell gehen soll, wird am besten die große Schaufel in die Hand genommen, um Platz für Neues zu schaffen. Was allerdings zur Folge hat, dass mit dem „Schnee von gestern“ möglicherweise auch zarte Blüten von heute und wertvolle Hoffnungen und Fundamente für morgen mit entsorgt werden.
Die Passionszeit, die mit dem Aschermittwoch begonnen hat, könnte eine gute Gelegenheit sein, Ordnung zu machen im eigenen Leben. Das heißt zu überlegen: Was gibt mir Halt und Hoffnung? Was trägt mich auch durch schwere Zeiten? Was hat sich bewährt als gutes Fundament in meinem Leben? Das eine oder andere wird sich dabei als unbrauchbar, als „Schnee von gestern“ erweisen. Vielleicht entdecken wir neu den Reichtum, den kostbaren Segen der Barmherzigkeit, die uns mit der diesjährigen Jahreslosung ans Herz gelegt wird. Vielleicht lernen wir bei solchen Inventurüberlegungen das gute, alte, gesunde Gottvertrauen neu zu schätzen und zu gebrauchen. Nicht als „Schnee von gestern“ soll es mir langsam wegschmelzen, sondern mit Kraft für heute und mit Hoffnung für morgen wird es mich versorgen.

Pfarrer Thomas Seeber, Grabow

 


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