Über uns

WEIßT DU WIEVIEL STERNLEIN STEHEN



Wann haben Sie das letzte Mal unter freiem Himmel geschlafen? Im Rücken: eine Matte, eine Decke oder der bloße Boden. Vor Augen: die schier unendliche Weite des Sternenzelts.

Ich erinnere mich an einen Sommerurlaub auf einem Segelschiff. Eigentlich fuhren wir jeden Abend einen anderen Hafen an. In einer Nacht ankerten wir aber auf dem offenen Meer. Fern von jeglichen Orten und Inseln, rings um uns nur Wasser. Ich lag in der Hängematte und schaute in die Sterne. Selten sehe ich einen so klaren und tiefen Sternenhimmel. Das Schiff schaukelte leicht auf den Wellen. Das Wasser plätscherte leise. Ich konnte hören, wie der Wind die Taue am Mast klappern ließ. Sonst nichts. Ich fühlte mich weit und frei auf dem Meer und unter dem Sternenzelt, gleichzeitig klein und geborgen im Stoff der Hängematte. Es war, als könnte ich hinaufreichen bis zu den Sternen.
Wie Jakob, der nachts allein in der Wüste schläft und die Nähe Gottes spürt. Er träumt, es steht eine Leiter auf der Erde. Sie reicht mit ihrer Spitze bis in den Himmel. Auf der Leiter steigen Engel hinauf und herab. Ganz oben steht Gott. Er gibt Jakob ein Versprechen. Er sagt: Ich bin bei dir. Ich will dich behüten, wohin du auch ziehst. Ich werde dich nicht verlassen. Noch beim Aufwachen ist Jakob berührt von diesem Traum. Er ist angerührt von der Begegnung, die ihm widerfahren ist.
So habe auch ich mich anrühren lassen von der Erfahrung der Stille und der Weite mitten auf dem Meer. So habe auch ich das Versprechen gespürt: Du bist nicht allein. Im Lauten wie im Leisen, im Großen wie im Kleinen wirst du Begleitung erfahren. Daran werde ich denken, wenn ich in den nächsten Nächten Ausschau halte nach den Perseiden, die über den Himmel fliegen wie Engel, die eine Leiter hinauf- und herabsteigen. Vielleicht halten auch Sie kurz inne und lassen sich berühren beim Blick ins Sternenzelt.


Gedanken zum 9. Sonntag nach Trinitatis von Henrike Kant, Pfarrerin im Pfarrbereich Biederitz