Willkommen im Kirchenkreis Elbe-Fläming

FEUERWEHRFEST



Vor kurzem durfte ich im Rahmen meiner Ausbildung zum Pfarrer auf die sogenannte Landwoche. Ein Seminar, in dem es um’s Leben auf dem Land geht. Aus den Erfahrungen dort heraus habe ich folgende augenzwinkernde, humorvolle Geschichte geschrieben:

„Och nee — muss ich da wirklich hin?“ Maulend sitzt Johannes vor mir. Also nicht irgendein Johannes, sondern der Autor des Johannesevangeliums. Dann fügt er hinzu: „Ich hab doch genug über Jesus gesagt, oder nicht?“ „Nein“, sage ich. „Jesus kommt vom Land und du von der Stadt.“ „Woher willst du das wissen?“, fragt Johannes. „Hat mein Professor gesagt“, sage ich. „Ach so, na dann stimmt’s“, räumt er ein. „Und um den Dorf-Boy Jesus richtig zu verstehen, musst du auch mal ein Feuerwehrfest erlebt haben“, erkläre ich dann. „Und nun los, sonst verpassen wir den Bus“.
Johannes nimmt noch einen kräftigen Schluck Rhabarbersaft-Schorle, und dann gehen wir los zur Bushaltestelle. Dort angekommen erkläre ich ihm: „Falls mal kein Feuerwehrfest ist: Hier ist immer was los“. Einige Teenager sitzen dort. Sie nicken zustimmend. Das habe ich vorher so mit ihnen abgesprochen. Will mich ja auch nicht blamieren vor Johannes…
Nach einer kurzen Auseinandersetzung mit dem Busfahrer, weil Johannes nur einen 20-Euro-Schein zum Bezahlen hatte, einer Auseinandersetzung, in der Worte wie „Otterngezücht“ und „Sodom und Gomorrha“ fielen (Worte, die sich im elaborierten Johannesevangelium natürlich nicht finden), kommen wir schließlich am Feuerwehrfest an. Jesus steht in einer Gruppe von Landwirten, Klempnern und Maurern. Sie scherzen, lachen, stoßen an - natürlich mit dem Spruch: „Schön inne Augen gucken, sonst…“. Dabei sind auch Jesu gute Freundin Maria Magdalena, daneben ein paar Erzieherinnen, Landwirtinnen, Sekretärinnen und ein paar ältere Damen. Man gickert, zeigt klare Kante, wenn einer zu weit geht - und alle sind gleich. Freudestrahlend läuft Johannes auf Jesus zu: „Jesus, du lebst! Ich hab es gleich gewusst!"
"Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, so kann es keine Frucht bringen. Wenn es aber stirbt, so bringt es viel Frucht. So hab ich’s damals geschrieben“ (Johannesevangelium, Kapitel 12, Vers 24). Augenblicklich: Totenstille. Alle schauen verlegen zu Boden. Ich versuche vom Thema abzulenken, indem ich frage: „Ja, Mensch, Johannes, welchen Weihnachtsbaum hattest du denn letztes Jahr? Blaufichte? Oder Nordmanntanne?“ Aber es funktioniert nicht. Jesus räuspert sich verlegen. Dann sagt er: „Johannes, da ist was, was ich dir schon länger mal sagen wollte.“ „Was denn?“ „Dein Vergleich ist schief.“ „Was?“ „Dein Vergleich ist schief“, sagt Jesus. „Weizenkörner sind nicht tot, wenn sie in die Erde gelegt werden, um neue Frucht zu bringen.“
„Endlich sagt’s ihm mal jemand!“, ruft ein Landwirt rein. Johannes entgleisen die Gesichtszüge: „Aber - was soll ich denn sonst sagen?“ Eine Erzieherin meldet sich: „Wie wär’s mit: Wenn der Busfahrplan nicht geändert wird, bleibt das Dorf am Wochenende tot. Wenn er sich aber ändert, geht die Luzie ab.“ „Der ist nicht schlecht“, sagt Johannes anerkennend. Und dann feiern wir noch eine ganze Weile.
Als ich am nächsten Morgen in die Küche schlurfe, sitzt Johannes bereits bei einem Latte Macchiato am Tisch. „Und - wie fand’st es?“, frage ich. „Ausgesprochen inspirierend“, sagt er. „Ich glaube, ich schreibe noch einen Anhang zu meinem Evangelium.“ „Darin kann ich dich nur bestärken“, sage ich.
Liebe Leser, was ich mit der Geschichte ausdrücken will, ist: Ich habe auf der Landwoche, und auch hier im Jerichower Land bisher eine beeindruckende Klarheit der Menschen erlebt. Und tiefe Weisheit. Am Sonntag feiern wird in der Kirche das Fest „Rogate“, das heißt: Beten. Ich finde, sich Jesus als Handwerker vom Dorf vorzustellen, hilft beim Beten. Probieren Sie es aus! Die Gottesdienste am Sonntag laden Sie dazu ein.


Gedanken zum Sonntag Rogate von Tim Dornblüth, Vikar im Pfarrbereich Burg

 



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