Willkommen im Kirchenkreis Elbe-Fläming

LICHTER IM NOVEMBER II



An einem der zurückliegenden Tage machte ich mich gegen 17 Uhr auf den Weg zu einem kleinen Spaziergang. Unterwegs verschwand das letzte, zaghafte Leuchten der Sonne hinter dem Horizont. Innerhalb kurzer Zeit war es komplett dunkel. Ich stellte mir vor, wie es sein würde, wenn jetzt keine Straßenbeleuchtung vorhanden wäre und auch kein Licht aus den Fenstern der Häuser auf den Fußweg scheinen würde. Es wäre gefühlt finstere Nacht gewesen.

Genau so haben es die Menschen erlebt – vor langer Zeit in meiner Heimat, dem Erzgebirge. Ab dem 12. Jahrhundert besiedelten sie das Gebiet, das damals „Miriquidi“ genannt wurde, was übersetzt „Dunkelwald“ bedeutet. Die Aussicht auf Arbeit im Silberbergbau lockte sie. Es war ein beschwerliches Leben. Besonders in der dunklen Jahreszeit. Die Männer gingen vor Sonnenaufgang aus dem Haus, fuhren ins Bergwerk ein und kehrten erst nach Sonnenuntergang zurück. Tage und Wochen ohne einen Sonnenstrahl. Die Sehnsucht nach Licht war riesengroß. Und so stellten die Frauen zur Begrüßung ein Licht ins Fenster der Häuser.
Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich daraus eine wunderschöne Tradition und die Woche zwischen Ewigkeitssonntag und dem 1. Advent bekam zugleich eine besondere Bedeutung. Am Ewigkeitssonntag wird an die Verstorbenen gedacht und die Hoffnung auf das Ewige Leben in Gottes Reich steht im Mittelpunkt. Es ist mitten in der dunkelsten Zeit einer der stillsten Tage des Kirchenjahres.
In der Woche danach beginnt im Erzgebirge allerdings ein emsiges Treiben. Alles muss vorbereitet werden. Schließlich will jede und jeder dabei sein, wenn es endlich soweit ist. In manchen Orten soll es am 1. Advent tatsächlich schon zu kurzzeitiger Stromknappheit gekommen sein, weil alle zeitgleich die Dunkelheit in ein strahlendes Lichtermeer verwandeln wollten. Man kann es schon fast als Lichtexplosion bezeichnen, was da am 1. Advent im Erzgebirge passiert.
Ich weiß, dass wir hier in unseren Gegenden an dieser Stelle etwas zurückhaltender sind. Aber vielleicht nutzen Sie die kommende Woche und suchen nach einem Licht, das ab dem 1. Advent aus Ihrem Fenster hinaus in die Dunkelheit strahlt. Ich habe das Gefühl, wir alle können in der kommenden Zeit jedes von diesen Lichtern sehr gut gebrauchen.

Gedanken zum Letzten Sonntag im Kirchenjahr von Arend Fritzsch, Gemeinde- und Religionspädagoge im Evangelischen Kirchenkreis Elbe-Fläming

 



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