Evangelische Grundschule Burg

INNEHALTEN UND GEDENKEN



Ich denke an Frau I., der es am Vormittag plötzlich nicht gut ging. Am Abend bekam sie so schlecht Luft, dass sie Angst bekam. Sie rief ihre Hausärztin an. Frau I. kam sofort ins Krankenhaus. Der Arzt auf der Coronastation leitete schnell alle Maßnahmen ein und sagte später: wenn sie an diesem Tag nicht mehr ins Krankenhaus gekommen wäre, hätte sie die Nacht wohl nicht überlebt. Heute ist sie dem medizinischen Personal dankbar für alle professionelle Hilfe.

Ich denke an Frau M. Sie ist Mitarbeiterin auf einer psychiatrischen Station und arbeitet mit traumatisierten Erwachsenen. Sie hilft durch viele Gespräche. Manchmal muss sie auch mit Familien Stück für Stück einüben, wie der Alltag gestaltet werden kann. Da hilft es, auch mal aus der Kliniksituation herauszugehen und Orte aufzusuchen, die aus der Enge der eigenen Ängste heraushelfen. Seit der Pandemie ist jedoch alles anders. Familienangehörige müssen auf Abstand bleiben. Der Klinikalltag ist alles andere als normal. Traumatisierte Menschen stehen vor einem Berg von Problemen. Ich denke an Familie R. Die 82-jährige Mutter lebte seit einem Jahr im Pflegeheim. Plötzlich kam der Anruf, im Heim ist Corona ausgebrochen und die Mutter musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die Familie darf die Mutter nicht besuchen. Am nächsten Morgen war sie verstorben. Der Abschied am Grab war der einzige Abschied, der ihnen möglich war.
Ich denke an Herrn D. Ich kenne ihn nicht persönlich. Aber ich kenne ein Lied, welches er gedichtet hat. Er muss viel durchgemacht haben, denn im Lied kommt ein dunkles Tal vor, durch das er gewandert ist. Das Lied spricht davon, dass das Leben feindlich zu ihm war. Aber er singt auch davon, dass er ein heilsames Salböl auf seinem Kopf gespürt hat. Und er dankt Gott dafür. Die letzte Zeile seines Liedes geht so: „Ich werde bleiben im Haus unseres Gottes alle Zeit.“ Ich stelle mir vor, in diesem Haus gibt es Menschen, die helfen, wo Not ist. Da gibt es Menschen, die professionell und schnell entscheiden können, wie es Frau I. erlebt hat. Es gibt aufmerksame Zuhörer, die die Ängste anderer wahrnehmen, wie es Frau M. tut. Es gibt Abschiede auf einer Etage des Hauses, wie Familie R. es erleben musste. Und es gibt den Glauben, dass das Haus noch mehr Etagen hat und dass es in der oberen Etage auch Leben und ein Wiedersehen gibt.


Gedanken zum bundesweitem Gedenken an all diejenigen, die in Deutschland im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie gestorben sind von Pfarrer Peter Gümbel, Burg